“Telematik ist ein Kunstwort aus den Begriffen Telekommunikation und Informatik. Im Verkehrssektor dient Telematik (Verkehrstelematik, englisch ITS: Intelligent Transportation Systems) dazu, Verkehrsabläufe effizienter zu gestalten, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, verkehrsbedingte Umweltbelastungen zu verringern sowie den Komfort zu erhöhen oder betriebliche Abläufe zu optimieren.” (BMVI)

 

CAR 2 CAR Communication Consortium, Telematik, Verkehr

CAR 2 CAR Communication Consortium, Telematik, Verkehr

 

Kurzbeschreibung:

Interdisziplinarität – Dieses Stichwort beschreibt die Forschungsgruppe Verkehrstelematik (FGVT) am besten. Als sie 2004 von Prof. Dr.-Ing. Horst Wieker gegründet wurde, waren Kommunikationssysteme zwischen Fahrzeugen, die so genannte Fahrzeug-zu-Fahrzeug Kommunikation (Vehicle-to-Vehicle V2V), der Arbeitsschwerpunkt. Fahrzeuge tauschen dabei beispielsweise Warnungen wegen schlechter Straßenbedingungen („vereiste Straße“) oder dem bekannten „Stauende hinter einer Kurve“ untereinander aus. Durch die Erweiterung des Informationshorizontes des Fahrers trägt dies zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, aber auch der Verkehrseffizienz bei. Bereits kurz nach der Gründung verschob sich der Schwerpunkt der FGVT von der V2V Kommunikation hin zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur (beides zusammen wird als Vehicle-to-X, V2X bezeichnet).

Neben der kommunikationsinformatischen Kompetenz im Bereich intelligente Verkehrssysteme (Englisch: intelligent transportation systems, ITS), Elektromobilität und automatisiertes Fahren zeichnet sich die Forschungsgruppe vor allem durch ihre interdisziplinäre Mobilitätskompetenz aus. Aktuelle Projekte und Forschungsbemühungen erweitern den bisherigen technischen Schwerpunkt um soziologische und ökonomische, psychologische und energieökonomische Aspekte, so dass die Interdisziplinarität weiter gestärkt wird. Dies schlägt sich in den bearbeiteten Forschungsfragen nieder. Wurden zuvor primär technische Lösungen für Teilprobleme erarbeite, liegt der Fokus nun auf der Betrachtung von Wirkungen auf die Bevölkerung und der sich daraus ergebenden Fragestellungen.

Die Forschungsgruppe Verkehrstelematik beschäftigt sich im Allgemeinen mit übergreifenden Informations- und Kommunikationsarchitekturen. Zu dieser Thematik werden aktuell mehrere Projekte bearbeitet. Bereits in der Vergangenheit wurden umfangreiche Projekte, wie zum Beispiel „simTD“ und „CONVERGE”, in Kooperation mit namhaften Forschungseinrichtungen und Automobilherstellern realisiert. Über die Forschung hinaus arbeitet die FGVT aktiv im „Car 2 Car Communication Consortium“ (C2C-CC) mit sowie innerhalb der Standardisierung bei ETSI.

Die Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, den Straßenverkehr in Europa sicherer und effizienter zu gestalten.

Die Forschungsgruppe Verkehrstelematik der htw saar hat jahrelange Erfahrung im Akquirieren und Leiten von Bundes- und EU-Projekten. Die Forschungsfelder der FGVT entwickelten sich von der reinen Technologieforschung zu einer wirkungszentrierten Forschung. Stand früher die Entwickelung neuer Algorithmen und Protokolle im Vordergrund, ist es heute die Lösung von Problemen im Mobilitätsbereich durch Informations- und Kommunikationstechnologien.

Neben dieser kommunikationsinformatischen Kompetenz im Bereich ITS, Elektromobilität und autonomen Fahren zeichnet sich die Forschungsgruppe vor allem durch ihre Verkehrs- und Wirtschaftskompetenz aus. Aktuelle Projekte und Forschungsbemühungen erweitern diese um sozio- und techno-ökonomische, psychologische und energieökonomische Aspekte, so dass die Transdisziplinarität und die Fähigkeit zur Koordinierung von Querschnittsprojekten zu den Stärken der FGVT geworden sind.

Forschungsschwerpunkte

 

Projekthistorie

Nachdem die Forschungsgruppe durch das Projekt PReVENT-WILLWARN im Bereich Fahrzeug-zu-Fahrzeug (V2V) Kommunikation gestartet war, wurden durch nachfolgende Projekte neue Forschungsfelder erschlossen und der Forschungsschwerpunkt verschob sich als Abbild gesellschaftlicher Entwicklungen.

So hat die Forschungsgruppe in mehreren Forschungsprojekten federführend an der Weiterentwicklung der V2X-Technologie mitgewirkt. Im groß angelegten Feldtest des Forschungsprojektes simTD war die FGVT verantwortlich für die gesamte Kommunikation über die Infrastrukturkommunikationseinheiten (sog. Roadside Units, RSU) und den Mobilfunk. In diesem sechsmonatigen Feldversuch wurden mittels 120 Fahrzeugen und 103 RSU verschiedene V2X-Anwendungen in 1,5 Millionen Testkilometern validiert. Die Entwicklung und Verwaltung der RSU lag in der alleinigen Verantwortung der Forschungsgruppe.

Im Forschungsprojekt FRAMES arbeitet die FGVT zusammen mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena an einem kommunikationsgestützten Assistenzsystem, das auch Fußgängern aktiv beteiligt. Bisherige Systeme warnten das Fahrzeug, aber nicht den Fußgänger. In FRAMES dagegen werden alle Beteiligten gewarnt. Des Weiteren werden psychologische Modelle erstellt und zur Prädiktion der Fußgängerbewegung verwendet. Außerdem werden die Auswirkungen eines solchen Assistenzsystems auf das Verhalten von Fahrern und Fußgängern analysiert.

Mit dem Projekt CONVERGE, das Bestandteil der Hightech Strategie der Bundesregierung war, wurden in der FGVT zum ersten Mal nicht nur technische, sondern auch ökonomische Fragestellungen bearbeitet. Das Projekt entwickelte einen sicheren, offenen Systemverbund, der die verschiedenen Kommunikations-, Dienste- und Organisationsarchitekturen verbindet. Hierbei wurden mit dem sogenannten „Institutionellen Rollenmodell“ Aspekte betrachtet, die sicherstellen, dass die entwickelte Architektur marktfähig ist. CONVERGE bildet heute die Grundlage nationaler und internationaler Projekte, Architekturen und Produkte.

Im Projekt iKoPA wird die Architektur aus CONVERGE in verschiedenen Dimensionen erweitert. Hier werden einerseits neue Kommunikationstechnologien integriert, um besser für die Herausforderungen der Elektromobilität und des automatisierten Fahrens gerüstet zu sein. Andererseits werden die Aspekte des Datenschutzes vertieft betrachtet, um eine Architektur zu entwickeln, die nicht nur den höchsten Datenschutzanforderungen entspricht, sondern die Privatsphäre der Bevölkerung noch darüber hinaus schützt.

Aktuell sind bei der FGVT 13 wissenschaftliche Mitarbeiter und 5 studentische Hilfskräfte beschäftigt. Insgesamt forschten bereits über 20 wissenschaftliche Mitarbeiter und über 30 Studierende bei der FGVT.

Die FGVT bietet interessierten Studierenden die Möglichkeit, in einem innovativen Forschungsbereich industrienah und doch wissenschaftlich zu arbeiten. In diesem Rahmen können Praktika absolviert und Abschlussarbeiten erstellt werden. Für die Abschlussarbeiten stehen Studierenden verschiedener Fachbereiche eine Vielzahl von Themen zur Auswahl.

 

Forschungsprojekte:

  • 2018-2021 5GCroCo (gefördert durch die EU)
  • 2018-2020 kantSaar (gefördert durch das BMVI)
  • 2017-2020 KoSMoS (gefördert durch die EU und die Staatskanzlei des Saarlandes)
  • 2017-2020 C-MobiLE (gefördert durch die EU)
  • 2017-2020 5G NetMobil (gefördert durch das BMBF)
  • 2015-2018 iKoPA (gefördert durch das BMBF)
  • 2015-2017 No LimITS (gefördert durch das BMVI)
  • 2012-2018 FRAMES (gefördert durch die DGUV)
  • 2012-2015 CONVERGE (gefördert durch das BMWi und das BMBF)
  • 2012-2015 UR:BAN (gefördert durch das BMWi)
  • 2008-2012 simTD (gefördert durch das BMWi und das BMBF)
  • 2006-2010 AKTIV-VM (gefördert durch das BMWi)
  • 2006-2010 CVIS (gefördert durch die EU)
  • 2004-2007 PReVENT-WILLWARN (gefördert durch die EU)

Mitarbeiter der FGVT: weitere Informationen

Historie der FGVT: weitere Informationen

Standort der FGVT: weitere Informationen